Das Buch von Igor von Irmgard und Denny Freytag (2026) zeichnet die faszinierende Geschichte der Felsentaube (Columba livia) nach: Von ihren wilden Vorfahren vor 300.000 Jahren in Felsklippen des Mittelmeers und Nahen Ostens über die frühe Domestizierung in Mesopotamien vor 10.000 Jahren bis zur heutigen Stadttaube mit 17–28 Millionen Individuen allein in Europa. Es beschreibt vielfältige Nutzungen als Nahrungsquelle (Jungvögel-Fleisch), Dünger, Navigatoren und Brieftauben in Kulturen wie dem Alten Ägypten (Ramses III. opferte 57.000 Tauben), dem Römischen Reich (Columbaria mit 5.000 Nistplätzen) und im Mittelalter (Elite-Privileg „Droit de colombier“). Darwin nutzte die Rassenvielfalt (Renn-, Zier-, Fleisch-Tauben) für seine Evolutionstheorie, während nach 1945 die Verwilderung zu urbanen Anpassungen führte: ganzjährige Brut, Habituierung an Menschen und starke Orientierungsfähigkeiten. Heutige Konflikte – Verschmutzung (12 kg Kot/Taube/Jahr), übertriebene Zoonosenängste (gering für Gesunde) und Fütterungsverbote – werden rechtlich und ethisch beleuchtet, mit Plädoyer für humane Modelle wie Augsburgs Eiertausch in betreuten Schlägen. Ein quellenreiches Werk für Taubenaktivisten und Urbanisten: Es mahnt Respekt für eine resilient geformte Spezies, die der Mensch „im Stich ließ“.